Wertstempelzudrucke
auf amtlichen Ganzsachen
D.Reich P 46 - 62
D.Reich P 63 - 68
D.Reich P 73 - 102
D.Reich P 105 - 141
D.Reich Kartenbriefe
D.Reich Rohrpost
D.Reich Sonstiges
Bayern
Württemberg
Übersicht

Das Sammeln von Ganzsachen erfreut sich steigender Beliebtheit, nachdem diese Gattung von Postwertzeichen einen langen Dornröschenschlaf gehalten hat. Viele Philatelisten haben jedoch Mühe mit der Bestimmung von Belegen eines speziellen Teilgebiets – den amtlichen Ganzsachen mit nachträglichem Wertstempelzudruck.

 

Die Reihenfolge dieser Darstellung erfolgt nach den Urkarten (den Ganz­sachen, auf denen die Zudrucke angebracht wurden) – die Sortierung erfolgt nach den Nummern des Michel Ganzsachen-Katalogs Deutschland 2009. Existieren für eine Urkarte mehrere Wertstempelzudrucke, so findet eine Durch­nummerierung der unterschiedlichen Varianten statt. Jeder Beleg ist durch die Michelnummer der Urkarte und die laufende Nummer der Zudruckvariante identifiziert. (Beispiel: Dt. Reich P 66 Z 3 = 3. Zudruckvariante auf P 66). Soweit vorhanden, ist die gängige Michel-Katalognummer zusätzlich in Klammern aufgeführt - steht dort ohne, so ist sie im Michel nicht verzeichnet.

 

Es werden alle Ganzsachen vom Deutschen Reich bis 1945, Bayern und Württemberg erwähnt, die nachträglich mit einem Wertstempelzudruck versehen wurden. Als eine Art von „Zusatzfrankatur“ wurden sie geschaffen, um bei Portoerhöhungen oder Währungs­umstellungen die alten Ganzsachen aufzubrauchen. Zum Teil sind sie philatelistischen Ursprungs, denn es gab engagierte Sammler (insbesondere im Umfeld des Berliner Ganzsachen Sammler Vereins), die auf diese Art Raritäten erzeugen wollten. Essais (nicht zur Einfüh­rung durch die Post gelangte Probedrucke) sind ebenfalls mit aufgeführt.

In der Regel erfolgte der Wertstempel­zudruck durch die staatliche Postverwaltung, in einigen Ausnahmen auch unerlaubt durch Privatpersonen. Die Reichsdruckerei hat mit Bekanntgabe vom 01.03.1921 den Zudruck von Wertstempeln auf amtlichen Ganzsachen eingestellt. Zur Porto­erhöhung für Postkarten im Orts- und Fernverkehr vom 01.01.1922 wurden letzt­mals amtsseitige Wertstempelzudrucke (Rosetten) auf P 141 I und II angebracht.

 

Als amtlich sind solche Ganzsachen anzusehen, die von der staatlichen Postverwal­tung oder mit deren Genehmigung herausgegeben, durch die Post oder in ihrem Auftrag von anderen vertrieben und von der Post selbst oder durch sie autorisierte Dritte angekündigt wurden.

 

Soweit die Zudruckvarianten in den beiden folgenden Publikationen genannt sind, sind zusätzlich die dortigen Referenznummern angegeben:

  • Weiner    Aufsatz von Erich Weiner: Deutsches Reich. Amtliche Ganzsachen mit Zusatzwertstempeln auf Privatbestellung, in Festschrift 25 Jahre BGSV, Berlin 1926
  • Borek      Hans Meier zu Eissen: Borek Ganzsachen-Spezial-Katalog Deutschland 1850 bis 1932, Braunschweig 1978


 


► Anlässe für Wertstempelzudrucke

 

01.07.1875    Württemberg: Währungsumstellung von Gulden/Kreuzer auf Mark/Pfennig

01.07.1906    Wegfall der reduzierten Portostufe für Postkarten im Ortsverkehr (außer Württemberg) –
    Einführung eines Einheitstarifs von 5 Pfennig für Postkarten im Inlandsverkehr

01.04.1908    nur Württemberg: Portoerhöhung für Postkarten im Orts-, Nachbar­orts- und Oberamtsverkehr auf 3 Pfennig

01.08.1916    diverse Portoerhöhungen:

     ·   für Postkarten im Orts- und Fernverkehr auf 7 ½ Pfennig

     ·   für Kartenbriefe auf 15 Pfennig

     ·   für Rohrpostbriefe im Ortsverkehr auf 35 Pfennig

     ·   für Postkarten in Württemberg im Ortsverkehr auf 5 ½ Pfennig

01.10.1918    diverse Portoerhöhungen:

     ·   für Postkarten im Fernverkehr auf 10 Pfennig

     ·   für Drucksachekarten auf 5 Pfennig

01.10.1919    diverse Portoerhöhungen:

     ·   für Postkarten im Ortsverkehr auf 10 Pfennig

     ·   für Postkarten im Fernverkehr auf 15 Pfennig

     ·   für Kartenbriefe auf 20 Pfennig

     ·   für Rohrpostkarten im Ortsverkehr auf 50 Pfennig

06.05.1920    diverse Portoerhöhungen:

     ·   für Postkarten im Inlandsverkehr auf 30 Pfennig

     ·   für Drucksachen auf 10 Pfennig

     ·   für Kartenbriefe auf 40 Pfennig

     ·   für Rohrpostkarten im Ortsverkehr auf 130 Pfennig

     ·   für Rohrpostbriefumschläge auf 1,40 Mark

     31.05.1920    Außerkraftsetzung der Postkarten mit bayerischen Wertstempeln (Aufbrauch bis zum 30.06.1920)

     01.01.1922    diverse Portoerhöhungen:

     ·   für Postkarten im Ortsverkehr auf 75 Pfennig

     ·   für Postkarten im Fernverkehr auf 125 Pfennig


► Entwertung von Druckausschuss

In der Reichsdruckerei entstand beim Wertstempelzudruck regelmässig Druckausschuss aus folgenden Gründen:
  • überzählige Stücke
  • beschädigte Stücke
  • Zudruckwertstempel schiefstehend oder verschoben
  • teilweise oder vollständig überdruckter Ausgangswertstempel
  • fehlende, überzählige, verschmierte, farblose, links unten kopfstehende oder rückseitig aufgedruckte Wertstempel
  • Farbfehldrucke
  • rückseitger Abklatsch
  • unvollständiger Wertstempelzudruck bei mehrfarbigen Zudrucken
Ausschußstücke wurden bis 1918 in Form eines vierblättrigen Kleeblatts durchlocht, danach mit einem Kreis von 25 mm im Durchmesser.